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Montag, 13. Februar 2012

Hallo ihr Lieben, da melde ich mich nochmal für heute. Ich sitze gerade in der Küche. Habe Muffins gebacken, die ich gleich aus dem Ofen holen muss. Jetzt habe ich gegessen und nebenher Geohausi gemacht und dabei habe ich mal wieder ein wenig nachgedacht. Ich muss sagen, das ist wohl das erste Mal, dass ich zufrieden darüber bin, nachgedacht zu haben.


Früher wenn ich darüber nachgedacht habe, etwas an meinem Leben oder mir zu ändern, dann habe ich das immer so formuliert, dass ich das unbedingt muss. Es ging nie darum, ob ich das wirklich will. Ich habe immer gesagt, ich muss zielgerichteter sein, muss organisierter sein, disziplinierter, offener, lockerer, ich muss. Ich hab nie zu mir gesagt, ich will offener anderen gegenüber sein, nie habe ich gesagt, ich möchte lockerer drauf sein. Immer wenn ich etwas geändert habe, habe ich das nicht getan, weil ich das wollte, sondern weil ich irgendetwas ändern musste um des Willen eines anderen. Ich habe genau das nicht getan, wonach alle so streben. Ich bin mir nicht treu geblieben. 


Früher war ich spontan, hab fast jeden Scheiß mitgemacht, war fröhlich und aufgeschlossen, bin mit den anderen rumgerannt, habe rumgeschrien, Türen geknallt, meine Wut und meine Verzweiflung beim Schwimmen wett gemacht. Ich bin um mein Leben geschwommen, stundenlang, bis ich so erschöpft war, dass ich mich nur noch nach Hause schleppen konnte und todmüde ins Bett fiel. Und was ist dann passiert? Ich habe mich aufgegeben. Ich habe mich verändern lassen, bin mir nicht treu geblieben. 


Viele die mich kennen, haben mir immer gesagt, dass ich anderen voraus bin, ich war reifer als alle anderen in meinem Alter. Ich musste eben schnell erwachsen werden. Ich bin gerade 9, meine Schwester 12, als sie mich und meine Mutter verlassen hat, um zu meinem Vater zu ziehen. Meine Mutter war am Boden zerstört. Von den einen auf den anderen Tag stand ich alleine da. Keine Schwester mehr, die für ihre kleine Schwester da ist. Keine Mutter, die sich um die kleine Tochter kümmert. Alleine, einfach alleine. Das war der Moment, in dem ich den Glauben daran verloren habe, dass es Menschen gibt, die immer versuchen für einen da zu sein. Jeder hat in dem Augenblick an sich gedacht, aber keiner an die, die zurück bleiben. 


Lange war ich überfordert mit allem, habe mich mit meiner Mutter nicht verstanden, die Schule hat gelitten, ich habe in einer Wohnung gewohnt, in der man so gut wie nirgends hintreten konnte ohne etwas kaputt zu machen. Aber nicht nur für mich war die Situation fast nicht zum Aushalten. Meine Mutter verlor die Kontrolle über ihr Leben und geriet in ein tiefes Loch, in dem sie heute zwar nicht mehr ganz so tief steckt, aber immer noch tief genug. Das einzige was ihr Leben "erfüllte" war die Arbeit. Sie sah schrecklich aus, lange, stumpfe Haare, glanzlose leere Augen, trockene Haut, nicht genug Schlaf, zu viel Alkohol. Auf einmal war ich für alles verantwortlich. Für den Saustall in der Wohnung, für das wenige Geld, für das schlechte Wetter, einfach für alles. "Wenn Du so weiter machst, bringe ich Dich ins Heim!", hörte damals ein kleines Mädchen, das doch nur geliebt werden wollte. 


Die Umstände wurden schlimmer und schlimmer. Ich verschloss mich, versuchte die schmerzenden Worte zu überhören. Zuerst habe ich versucht, alles zu tun, um es meiner Mutter recht zu machen, doch es kam nie eine Anerkennung. Ich schottete mich von meiner ganzen Umwelt ab, verlor mich in mir selbst, versuchte über der Situation zu stehen, ohne Hilfe, ohne jemanden, der verstand, wie schwer alles war. Mein einziger Ausweg? Das Ritzen. Es war für mich die einzige Möglichkeit zu spüren, zu sehen, dass ich noch lebe. Auf einmal habe ich jedes schmerzende Wort, jede Enttäuschung, jede Woge von Verzweiflung und Wut in Schnitte verwandelt. Das war der einzige Moment, in dem ich gespürt habe, dass ich immer noch da bin. 


Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich enttäuscht von den Menschen, die nicht an meiner Seite standen, mir nicht geglaubt haben, als ich weinend vor ihnen zusammen gebrochen bin, es gab niemanden. So hat sich das kleine, kaputte Mädchen also verändert in ein verschlossenes, verbittertes, an nichts mehr glaubendes, alles allein schaffende Kind. Ich wollte nicht, dass mein Leben noch mehr aus den Fugen läuft. Ich habe niemandem mehr vertraut, keinen um Hilfe gebeten. Mit niemandem gesprochen. Keinem meine Wünsche, Träume und Fantasien erzählt. Es gab nur mich und die riesen Mauer um mich herum, über die es keiner geschafft hat. 


Die Welt ist hart und selbstsüchtig. Entweder man lernt damit zu leben, oder man geht unter. Man kann sich nicht darauf verlassen, nicht doch auf einmal alleine dazustehen. Man kann niemandem vertrauen. 









Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur daran, mit dem Schmerz zu leben.


Ps. morgen ist also Valentinstag, bin ich ja mal gespannt, ob dir das "Geschenk" genauso wichtig ist, wie mein Ball, das Geburtstagsessen mit Dönerbox oder all die Dinge, die ich mir nicht erlauben darf, obwohl Du das egoistische Arschloch bist. 


Was für eine Aussage.


Pss. die Bilder sind aus den letzten Jahren, hatte einfach mal Lust, wieder Bilder zu posten :)

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